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1642: Die Nachtwache


Rembrandt van Rijn: "Die Nachtwache"
Öl auf Leinwand 1642


Rembrandt van Rijn, Offiziere und Wachmänner der Amsterdamer Bürgerwehrkompanie von Kapitän Frans Banning Cocq (1605-1655) und Leutnant Willem van Ruytenburgh (1600-1652) ("Die Nachtwache") 1642.
Das Meisterwerk Rembrandts, auf dem Höhepunkt des "Goldenen Zeitalters" der Nördlichen Niederlande entstanden, markiert das Gegenstück zu dem etwa 40 Jahre zuvor in Antwerpen von einem anonymen Maler entstandene Bild "Die gefesselten niederländischen Provinzen vor Herzog Alba", das in verschiedenen Fassungen vorliegt. "Die Nachtwache" ist Ausdruck der niederländischen bürgerlichen Gesellschaft schlechthin, die den spanischen Anspruch der Universalmonarchie abgeschüttelt hat. Abgeschüttelt wird nicht nur die spanische Herrschaft, sondern staatliche Kontrolle der Gesellschaft schlechthin. In Rembrandts Bild nimmt der Staat nicht einmal die Nachtwächter-Funktion wahr, sondern die Bürger selber sorgen als Nachtwächter für die Ordnung in Amsterdam und die niederländischen Fernhandelskompanien für die Ordnung in der Welt. Das Bild war eine Auftragsarbeit für die Große Halle des "Kloveniersdoelen", Hauptquartier der Bürgerwehr der Büchsenschützen. Deren Mitglieder rekrutieren sich aus dem Amstadamer Bürgertum. Offizier einer Bürgerwehrkompanie zu sein, war eine wichtige Zwischenstufe, um die politischen Führungspositionen der Stadt Amsterdam zu erklimmen.Rembrandt erhielt mit fünf Malerkollegen den Auftrag je eine der sechs Kompanien der Büchsenschützen darzustellen. Frans Banning Cocq war Sohn eines Drogeristen und wurde 1650 erstmals Bürgermeister. Die auf dem Bild identifizierten Offiziere, Unteroffiziere und Wachmänner kamen überwiegend aus dem Handelsstand, inbesondere der Textilbranche. Neben 18 Kompaniemitgliedern fügte Rembrandt 16 Nebenfiguren hinzu. Die fünf anderen Kompaniebilder verblassen hinter Rembrandt, weil er seine Bürgerwehr nicht in Positur, sondern im Moment des Aufbruchs zur Nachtwache darstellt, die Bedienung der Waffen illustriert und z.T. noch nicht entschlüsselte allegorische Hinweise hinzufügt.
1715 wurde das Bild vom Kloveniersdoelen ins Rathaus umgehängt und bei dieser Gelegenheit an drei Seiten beschnitten, um für den neuen Ort "passend" gemacht zu werden. Erst 1885 gelangte es ins Rijksmuseum.
Literatur: Gary Schwartz: Das Rembrandt-Buch. München 2006, S. 170-175.



Legende zur nebenstehenden Computerzeichnung

Die Nachtwache, Mitglieder der Kompanie nach Waffenart (Computerzeichnung von Jorien Doorn).

1. Frans Banning Cocq (1605-1655), Kapitän
2. Willem van Ruytenburgh (1600-1652), Leutnant
3. Jan Cornelisz (1610-1650), Standartenträger
4. Reijter Engelen (1588-1651), Wachtmeister
5. Rombout Kemp (1597-1654), Wachtmeister
6. Musketier
7 Mann mit Helm und Schwert
8. Herman Wormskerck, mit Schild und Schwert
9. Musketier mit Furket und Lunte
10. Musketier beim Laden seiner Waffe
11. Knabe mit Pulverhorn und übergroßem Helm
12. und 13. Mädchen in Gold und Blau
14. Schießender Jüngling
15., 16. und 17. Kopf eines Mannes
18. Mann mit Helm, Schild und Schwert
19. Kopf eines Mannes
20. Pikenier
21. Kopf eines Mannes
22. Mann mit Helm, der eine Muskete beim Abfeuern hält
23. Pikenier (Wallich Stellingwou?)
24. Mann, der Schießpulverreste von der Pfanne bläst
25. Pikenier (Jacob de Roy?)
26. Kopf eines Pikeniers
27. Musketier
28. Kopf eines Mannes
29. Pikenier
30. Trommler (vermutlich Jacob Jorsiz)
31. Kopf eines Mannes
32. Barhäuptiger Musketier (ca. 1715 teilweise entfernt)
33. Mann mit Hut (ca. 1715 teilweise entfernt)
34. Kind (ca. 1715 teilweise entfernt)
Außer Engelen, Kemp und Wormskerck waren noch vier weitere Wachmänner der Nachtwache Stoffhändler. Andere handelten beispielsweise mit Hanf, Wein oder Gewürzen.

Quelle: Gary Schwartz: Das Rembrandt-Buch. Leben und Werk eines Genies. München 2006, S. 175.


Die Vorsteher der Tuchmachergilde (Staalmeesters)
Rembrandt, 1662
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