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"Der Frieden mahnt die Kirchen zur Toleranz"




Holland, 1600-1625
Öl auf Leinwand, Museum Catharijneconvent Utrecht

Das Bild zeigt die drei Konfessionen, die durch Calvin, den Papst und Luther symbolisiert werden, scheinbar friedlich zusammen zu Tisch sitzen. Eine vierte Person, die die Wiedertäufer versinnbildlicht, kniet abseits an einer Feuerstelle. Die Attribute sowie die erläuternden Texte über den Vertretern der Konfessionen geben Namen, Ämter oder Glaubensgemeinschaften der Dargestellten lautmalerisch wieder. So liegt vor Calvin ein gebratenes Kalb und die niederländischen Worte "Calv fijn ist" (Kalb fein ist) ergeben das Wort "Calvinist". Calvin preist seine Speise und drückt über seinen Braten eine Orange aus. Damit wird auf die Unterstützung der Calvinisten durch den Statthalter von Oranien hingewiesen. Eine weitere Orange, die Calvin dem Papst anbietet, wird von diesem durch eine abweisende Gebärde abgelehnt. Ihm schmeckt die dargebrachte Speise nicht: Sein Brei ist (pap is = Papist) mit Orangenschalen gekocht und so bitter, dass seine Katzen, die er auf dem Schoß hält, nicht davon lecken wollen (Catten lecken = Katholiken). Er sehnt sich seinen spanischen Koch herbei, der seine unliebsamen Tischgenossen verjagen soll. Dies ist eine Anspielung auf die Bedrohung der Niederlande durch die mit dem Papst verbündeten Spanier.
Luther - um Harmonie und Ausgleich besorgt - schlägt die Laute zart an (luyt teer an = Lutheraner). Er beklagt sich, dass niemand seinem Spiel lauscht, und beschließt, es zu beenden. In den Niederlanden wurde Luther zwar als Reformator geehrt, das Luthertum selbst spielte in der aktuellen Situation keine große Rolle mehr. Ebenso verhielt es sich mit den Täufern, die in den Niederlanden sehr verbreitet waren. Der Wiedertäufer, der als solcher durch das Eintunken des Brotes in die Schüssel gekennzeichnet ist, blickt misstrauisch auf die Tischgesellschaft, von der er nichts Gutes zu erwarten hat, worauf die Feuerstelle als Anspielung auf den Scheiterhaufen hinzuweisen scheint.
Durch eine offene Tür tritt von links die Personifikation des Friedens in den Raum. Sie reicht den Anwesenden den Ölzweig und fordert sie zur Toleranz auf. Gleichzeitig bedauert sie, dass nur wenige ihrem Ruf folgen werden. Auch die beiden Gemälde, die sich im Raum befinden, beziehen sich auf Frieden und Nächstenliebe. In der Mitte des Raumes hängt eine Allegorie auf Frieden und Gerechtigkeit, über der Anrichte auf der rechten Seite ist die Caritas, das Symbol der christlichen Liebe, dargestellt.
Das Bild gibt, mit leichten Abwandlungen, einen Kupferstich von Claes Jansz Visscher wieder, der wohl um 1570 entstanden ist. Obwohl sich die Allegorie vor allem auf die Zustände in den Vereinigten Niederlanden bezieht, gelangte die Darstellung aufgrund ihrer offensichtlichen Ikonographie auch im Ausland zu Popularität. Dies bezeugen Fassungen des Stichs in französischer oder deutscher Übersetzung. Es ist wahrscheinlich, dass der Kupferstich auf ein satirisches Theaterstück der Rederijker zurückgeht. Die Rederijker waren eine gildenartige Vereinigung literarisch interessierter Bürger, die sich in den sog. Rederijkerkammern zusammenfanden. Die Theaterstücke, die vor oder während des Essens aufgeführt wurden, bestanden zumeist aus einem Streitgespräch zwischen mehreren Personen, die am Ende des Stückes durch das Einschreiten eines Vermittlers miteinander versöhnt wurden.

Quelle: Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden.
Regensburg 2005.


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